Ubuntu 8.04 - Ein erster Eindruck

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Der kühne Reiher ist da.
Seit wenigen Tagen steht Ubuntu 8.04 offiziell zum Download bereit. Das neue Release trägt den Namen Hardy Heron – also Kühner Reiher.
Dabei macht dieses Release keinen so kühnen Eindruck, schließlich kommt es mit Long Term Support daher. Die Desktop-Variante von Hardy wird bis 2011 mit Updates und Fixes versorgt werden, die Server-Variante sogar bis 2013. Viel Zeit also, will man ein stabiles und erprobtes System. User, die ohnehin jedes Release installieren, wird dies freilich egal sein.
Schaut man sich die Zusammenstellung der Softwarepakete an, fällt einem eine etwas inkonsistente Mischung auf. So wurde einerseits der ältere, aber stabile Kernel 2.6.24 ausgewählt, gleichzeitig aber als Standard-Browser Firefox 3 – und dieser ist noch immer in der Beta-Phase. Zwar hält ihn das Ubuntu-Team für stabil genug, um als Standard zu fungieren. Wichtige und oft benutzte Erweiterungen sind für ihn aber noch nicht verfügbar. Will man diese weiterhin nutzen, muss man Firefox 2 händisch auswählen. Umständlich, wie ich finde, und völlig unnötig.
Eine der wichtigsten und vielleicht umstrittensten Neuerungen ist der Umgang mit der xorg.conf, denn diese wird nicht mehr wie bisher behandelt. Erkennt Ubuntu die Grafikkarte und kann es den passenden Treiber auswählen, ist alles in Ordnung.
Aber wehe, dies klappt nicht. Denn dann muss man die Einträge für die xorg.conf. von Hand und aus dem Kopf eintragen. Eine Konfiguration wie bisher ist nicht mehr vorgesehen.
Codecs werden auch weiterhin automatisch installiert, will man eine Multimedia-Datei abspielen. Zumindest, so lange dieser Codec verfügbar ist. Filme und Bilder von Webcams werden nun mittels Cheese aufgenommen, einen dafür vorgesehenen Tool.
Was nach der Standardinstallation fehlt, ist Thunderbird. Gnome setzt hier auf Evolution, welches neben Mail auch Kalender und Adressbuch verwaltet, aber einige Probleme aufweist.
Weitere kleinere Änderungen betreffen u.a. Totem, der nun auch Youtube nutzen kann etc. Details hierzu findet man natürlich auf ubuntu.com oder dem deutschsprachigen Portal ubuntuusers.de

Die Installation von Hardy auf einem der PEGU-Systeme verlief überwiegend problemlos. Selbst die ATI-Grafikkarte wurde korrekt eingebunden, die Beschleunigung ließ sich leicht aktivieren.
Bereits vorhandene Betriebssysteme wurden im Bootmanager eingetragen, auch ein vorhandenes Windows startete anschließend klaglos.
Unverständlich ist jedoch, warum die Partitionen mit Windows sowie einem zweiten Linux nicht automatisch eingebunden werden. Hier ist Handarbeit angesagt, will man auf diese Daten zugreifen. Zwar lassen sich die Partitionen per Klick kurzfristig mounten, nicht aber dauerhaft. Hier wäre es für Umsteiger einfacher, könnten sie den Eintrag in der Fstab über einen Button vornehmen.
Manche Codecs und Treiber sind zudem nach wie vor nicht in den Quellen enthalten, so dass man alternative Paketquellen eintragen muss. Dies wird mit rechtlichen Bedenken begründet, obwohl eben diese rechtliche Frage überhaupt nicht geklärt ist. Als Beispiel sei hier libdvdcss genannt, welche man über die Medibuntu-Quellen installieren kann.
Nach dem Start präsentiert sich der Desktop aufgeräumt. Das verwendete Design ist freilich Geschmacksache, überflüssiger Schnickschnack fehl jedoch. Wem die Softwareauswahl der Standardinstallation nicht genügt, kann leicht Programme über Synaptic hinzufügen oder bestehende löschen – sofern er weiß, dass dies mit diesem Tool geschieht. Etwas, das gerade Umsteiger und Neulinge in Sachen Linux nicht wissen werden. Hier wäre es besser, würde der Eintrag im Menü schlicht »Software Installieren« heißen. Zumal sich gerade Ubuntu als einsteigerfreundlich präsentiert.
Multimedia, Office und Internet stehen dem Anwender sofort zur Verfügung, ebenso ein paar kleinere Spiele. Man kann nach weniger als einer Stunde Installation sofort seine Dokumente bearbeiten, dabei Musik hören und seine Mails abrufen.

Wie sich Hardy im Dauertest schlägt und wie die KDE-Version des Betriebssystems abschneidet, muss sich erst zeigen. Auf den ersten Blick jedenfalls wirkt vieles gelungen!

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