Quo Vadis, Webdesigner?

Fortschritt und Entwicklung

In den letzten Jahren hat sich der Bereich Webseitengestaltung stark gewandelt - und wandelt sich noch. Weblogs bieten auch Laien die Möglichkeit, in der Kommunkationsplattform Internet zu agieren. Content-Management-Systeme wie Joomla und TYPO3 sowie weblog-spezifische Systeme wie Wordpress lösen statische bzw. individuell entwickelte Internetauftritte fast vollständig ab.

Dies ist ein notwendiger und sinnvoller Entwicklungschritt. Denn warum das Rad neu erfinden, wenn doch längst ausgereifte moderne Fahrzeuge das Straßenbild prägen?

Einen durch und durch individuell programmierten Internetauftritt zu entwickeln ist heute in den meisten Fällen in etwa so sinnvoll die eigene Herstellung von Zahnpasta - decken CMS meist schon in ihrer Basisausstattung den Großteil der Anforderungen an eine Webseite ab.

Frage

Werden wir Webdesigner, Webentwickler und Internet-Profis also nicht mehr gebraucht?

Euphorie und Philosophie

Die Erfahrung zeigt, dass technische Neuerungen oft zunächst geradezu euphorische Begeisterung ob der neuen Möglichkeiten auslösen.

Mit der Zeit und im Alltagseinsatz werden meist jedoch mehr und mehr auch deren Grenzen deutlich. Die Euphorie schwindet und weicht einer deutlich realistischen Sicht auf die neue Errungenschaft. Ob eben diese überlebt, hängt davon ab, wie stark diese Grenzen den Nutzen einschränken - oder auch davon, wie gut es möglich ist, die Grenzen durch Anpassungen zu sprengen und damit abzuschwächen oder gar zu eliminieren.

CMS plus

Diese möglicherweise etwas zu philosophische Betrachtungsweise lässt sich auch auf Content-Management-Systeme anwenden. Haben Sie schon einmal versucht, ein Gästebuch oder ein Kontaktformular mit individuellen Formularfeldern mit Joomla umzusetzen? Wenn Sie nicht in den Core-Dateien des Systems herumfuhrwerken wollen (hiervon sei dringend abgeraten!), müssen sich sich nach externen Lösungen - sogenannten Erweiterungen umsehen.

Frust

Es gibt sie fast so zahlreich wie die Sterne am Himmel, doch Qualität, Funktionsumfang und das für Installation und Konfiguration erforderliche Know-How unterscheiden sich so stark wie die jeweilige Entfernung des einzelnen Himmelskörpers zur Erde. Hinzu kommt eine oft dürftige Dokumentation. Auch hat möglicherweise der Entwickler schon vor Jahren die Weiterentwicklung eingestellt, was man ihm nicht einmal verdenken kann - werden doch viele Erweiterungen - dankenswerterweise - von ambitionieren, semi-professionellen Anwendern in ihrer Freizeit entwickelt und gepflegt.

Auf der Suche nach einer Extension für das auserwählte CMS, die eine ganz bestimmt, nicht im Kern enthaltene Funktion erfüllen soll, wird so mancher Anwender einige Komponenten ausprobieren müssen, die - wenn er Glück hat und fündig wird - zumindest annähernd das tut, was er von ihr erwartet.

Gleichschaltung oder Einzigartigkeit

Auch die Optik der Seite stellt den Webmaster vor Herausforderungen.  Soll der Internetauftritt nicht wie ein Reihenhaus dem anderen gleichen, dann muss ein vom Standard abweichendes - ein besonderes Design her. Eines, das nicht bereits 1000-fach im Einsatz ist, das zum Thema der Webseite passt und diese einzigartig werden lässt. Daneben sollte ein Template die Inhalte fehlerfrei und möglichst identisch in den verschiedenen Browsern anzeigen.

Aufatmen

Ja, wir werden gebraucht! Denn auch wenn Content-Management-Systeme vieles vereinfachen, stellen Sie deren Nutzer doch vor Herausforderungen, die sie alleine nicht bewältigen können. Für ein Unternehmen ist es einfach inakzeptabel, wenn die Firmenwebseite aussieht, als sei sie im Rahmen eines VHS-Workshops entstanden - von fehlenden CI-Merkmalen ganz zu schweigen.

Auch ist es wenig rentabel wenn sich der örtliche Tischler oder auch Klemptner viele Stunden hinter den PC klemmt, mit dem normalerweise Rechnungen für ein neues Fenster oder ein neues Abflussrohr geschrieben werden, um in mühevoller, oft mit vielen Frustmomenten angereicherter Kleinarbeit die Homepage seines Unternehmens zu gestalten. Was würde eben dieser Handwerker seinen Kunden wohl für die aufgewendete Zeit berechnen?

Ich jedenfalls rufe bei einer zerbrochenen Scheibe den Tischler - und ein verstopftes oder undichtes Rohr wechsele ich besser auch nicht selbst.

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