Im Test: Tomb Raider (PC-Version)

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Tomb Raider-Historie:

Als Core Design 1996 Tomb Raider auf den Mark brachte, ahnten die Macher sicherlich nicht, dass sie mit Lara Croft eine Pop-Ikone schufen, die wenig später so ziemlich jeder kannte, der nicht unter einem Stein lebte.

Das Spiel begeisterte mit einer neuen Heldin, spannenden Abenteuern und einer guten Steuerung. Kein Wunder also, dass weitere Titel folgten und Lara im Laufe der Zeit in Comics, Büchern und schließlich sogar zwei Kino-Filmen agierte.

Die Spiele selbst entwickelten sich dabei nicht so gut, wie es die Spieler erwarteten. Manche Teile enttäuschten, die Verkaufszahlen sanken.

Erst 2007 kam mit Tomb Raider: Legend – nun aus dem Hause Crystal Dynamics – ein modernes, komplett überarbeitetes Spiel auf den Markt, das wieder an die alten Erfolge anknüpfen konnte und aufgrund seiner neuen, durchdachten Steuerung überzeugte.

Ihm folgte 2008 ein Remake des ersten Tomb Raiders mit dem Titel Tomb Raider: Anniversary und 2009 eine Fortsetzung zu Legend namens Tomb Raider: Underworld.

Obwohl sowohl die Story als auch die Bedienung und die Grafik noch einmal verbessert wurden, blieben die Verkäufe hinter den Erwartungen zurück, was zu einer mehrjährigen Pause führte – Lara Croft and the Guardian of Light, welches ein anderes Spielprinzip verfolgt und 2010 erschien, einmal außen vor gelassen.

Ein echtes Tomb Raider betrat erst im März 2013 die Bühne – und dies mit einem Paukenschlag. Denn statt die Geschichte nach Underworld fortzusetzen, entschlossen sich die Macher zu einem Reboot der Serie. Zudem setzte man neu an und zeigte mit Tomb Raider das erste Abenteuer der frischgebackenen Archäologin Lara Croft.

 

Die Story des Spiels:

Einst wurde Yamatai, der Vorläufer des heutigen Japans, von einer mächtigen Königin namens Himiko regiert; eine Frau, die manche auch als Schamanin bezeichneten.

Wo genau Yamatai lag, ist heute unbekannt. Aber genau diese Frage möchte die junge Lara Croft klären.

Gemeinsam mit Freunden und dem bekannten TV-Archäologen James Whitman begibt sie sich darum an Bord der Endurance, um Yamatai zu finden. Lara hat dabei die Idee, dass sich das Reich im sogenannten Drachen-Dreieck befinden könnte, welches knapp 100 Kilometer südlich von Tokio liegt.

Dort angekommen wird die Endurance in einem Sturm schwer beschädigt. Zwar können sich Lara und die anderen auf eine Insel retten, doch die Archäologin wird dabei von ihren Freunden getrennt – und von Bewohnern niedergeschlagen.

Als sie aus der Ohnmacht erwacht, findet sie sich in einer Höhle wieder, gemeinsam mit Leichen, die offenbar geopfert wurden.

Zwar kann sich Lara befreien, aber damit beginnt erst der Albtraum, denn ein Kult regiert auf der Insel, und dieser macht Jagd auf sie und ihre Freunde. Vor allem Laras beste Freundin Samantha Nishimura scheint für den Anführer des Kults von besonderem Interesse. Um sie zu retten, muss Lara das Geheimnis der Insel und der sie umtosenden Stürme lüften.

Und dieses Geheimnis ist wahrlich mörderisch!

 

Spielmechanik:

Nach einem längeren, fast schon filmreifen Intro übernimmt man die Steuerung von Lara Croft. Die ersten Locations dienen dabei als Tutorial, welches den Spieler mit der Steuerung vertraut macht. Und diese ist noch einmal intuitiver als man es bereits aus Legend und Underworld kennt. Zudem erledigt Lara einige Dinge nun, ohne dass der Spieler dazu eine Aktion ausführen muss. So drückt sie sich durch Spalten oder duckt sie automatisch unter Engstellen hindurch; es genügt, Lara mit den WASD-Tasten und der Maus zu sagen, in welche Richtung sie gehen soll.

Die Kamera zeigt Lara meist von hinten, teils aber auch von der Seite und von vorne. Damit erhält der Spieler einen guten Eindruck von der beklemmenden Atmosphäre. Die Kultisten sind nicht gerade zimperlich; im Gegenteil. Opferungen und Morde gehören bei ihnen zum Alltag, und die Spuren dieses Grauens sind vor allem in Gebäuden, Höhlen und Gängen nahezu allgegenwärtig. Die autonom agierende Kamera fängt den Schrecken sehr gut ein. Gleichzeitig zeigt sie Lara stets aus der für den Spieler günstigsten Position. Dies ist weitestgehend gut umgesetzt; nur an wenigen Stellen wünscht man sich einen etwas anderen Blickwinkel. Zusätzlich kann man gerade bei Gefechten die Ansicht variieren, um versteckt agierende Gegner ins Visier zu nehmen.

Anders als in den vorangegangenen Spielen ist Lara nicht von Begann an mit potenten Waffen ausgestattet. Als junge Archäologin kommt sie vorerst völlig unbewaffnet an. Die erste Aufgabe des Spielers nach der geglückten Flucht aus der Höhle ist es daher, sich eine Waffe zu besorgen und damit auf die Jagd zu gehen. Lara beginnt mit Pfeil und Bogen, ehe sie eine Pistole, später auch Gewehre und Granatwerfer erhält. Meist ist zuvor ein besonders kniffliges Rätsel zu lösen oder ein Bossgegner zu besiegen, um diese neuen Waffen zu erhalten.

Munition liegt überall auf der Insel herum, zudem kann man sie toten Gegnern abnehmen.

Im Laufe der Zeit findet man Material und erhält Erfahrungspunkte für erfolgreich abgeschlossene Aufgaben, das Finden von Artefakten oder dem Aufstöbern geheimer Gräber. Das Material kann man nutzen, um die Waffen aufzuwerten, die Erfahrungspunkte investiert man in Perks, die den Charakter verbessern. So lernt Lara im Laufe des Spiels neue Fähigkeiten oder verbessert, was sie von Anfang an beherrscht.

Zubehör für Waffen findet sie ebenfalls und erreicht mit diesem zuvor unzugängliche Stellen. Schon früh stößt man darum auf Räume oder Gräber, die man noch nicht erkunden kann. Hat man das benötigte Equipment, kann man an bestimmten Stellen – den Camps – zu bereits erkundeten Orten zurückreisen, um die zuvor unzugänglichen Bereiche zu betreten.

In diesen Camps kann man sich auch ansehen, was in den einzelnen Abschnitten noch erledigt werden kann. Neben der Hauptquest bietet das Spiel in jeder Region weitere Herausforderungen wie das Aufspüren von Artefakten und Gräbern oder das Einsammeln von Pilzen und GPS-Kapseln. Je mehr dieser Aufgaben man abschließt, umso mehr Erfahrungspunkte erhält man und umso besser wird Lara. Zudem dehnt sich die Spielzeit auf diese Weise aus; neben den knapp 20 Stunden der Hauptquest kann man sicher noch einmal 15 bis 20 Stunden für die Nebenmissionen einplanen.

Abgesehen von den für Tomb Raider typischen Kletter- Spring- und Kampfsequenzen wird der Spieler gelegentlich mit zeitkritischen Quicktime-Events konfrontiert. Hier muss er im passenden Moment die richtigen Tasten drücken, um die Sequenz erfolgreich abzuschließen.

Diese sind ohne Zweifel die größten Herausforderungen, denn oft weiß man zu Beginn nicht, was auf einen zukommt. Auch wenn angezeigt wird, was man machen muss, sieht man oft die Hindernisse zu spät und muss das Event wieder und wieder spielen.

Das Spiel selbst speichert den Fortschritt regelmäßig – und dies so engmaschig, dass man bei einem Fehltritt nie sehr weit zurückgeworfen wird. Meist beginnt man kurz vor jenem Punkt, an dem man versagte und sich in die Luft sprengte, in den Tod sprang, aufgespießt, erschossen, erstochen oder von einem Wolf gerissen wurde, in einen Baum flog, ertrank, etc., etc.

 

Meinung:

Nach vier Jahren Abstinenz freute ich mich sehr auf das neue Tomb Raider – und wurde nicht enttäuscht. Was die Macher hier abliefern, ist großes Kino!

Die Bedienung geht flüssig von der Hand, die Story treibt einen weiter und die Charaktere sind zwar einerseits stereotyp, andererseits aber auch so gut gelungen, dass man mit ihnen leidet.

Da der Spieler unter drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen kann, kommen auch unerfahrenere Spieler zum Ziel. Die Quicktime-Events scheinen von dieser Wahl jedoch unbeeinflusst zu sein; sie sind hart, aber fair und sie zu meistern führt in der Regel zu einem vernehmlichen Triumphschrei; verständlich, wenn einen ein Wolf x-fach tötete, ehe man endlich den Spieß umdrehte und ihm den Garaus machen konnte.

Lara von der unerfahrenen, verletzlichen Seite zu zeigen, funktioniert besser als erwartet. Wenn man das erste Reh tötet und Lara verzweifelt auf das sterbende Tier schaut, leidet man nahezu mit ihr. Die Wandlung hin zu einer Kämpferin ist gelungen, und wenn sie schließlich zum ersten Mal die beiden Magnum in Händen hält und der Endkampf beginnt, weiß man, dass sie nun zu jener Lara geworden ist, die man mehrere Spiele lang ins Herz geschlossen hat.

Die Geschichten der einzelnen Charaktere und auch der Insel wird anhand von Tagebucheinträgen erzählt, die man immer mal wieder auf der Insel findet. Sie fügen sich am Ende zu einem Bild zusammen, das sowohl die Handlungen der einzelnen Personen erklärt, als auch die Story der Insel wiedergibt. Auf diese Weise hat man es als Spieler selbst in der Hand, jedes Geheimnis aufzudecken – und gerade das motivierte mich, möglichst jeden Winkel zu erkunden.

 

Die deutsche Version:

Tomb Raider ist ab 18, und das ist auch gut so. Blut und Gore sind reichlich enthalten, für Exekutionen und Kopfschüsse gibt es auch in der deutschen Version Bonuspunkte – etwas, das vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Ich habe das Spiel erst in englischer Sprache gespielt. Lara wird erstmals von der britischen Schauspielerin Camilla Luddington gesprochen, und sie versteht es, der Figur überzeugendes Leben einzuhauchen. Ob verletzlich, trotzig, wütend oder traurig – die Stimme passt zur jeweiligen Szene.

Das gleiche gilt für die weiteren Figuren, bis hin zu den Tagebucheinträgen stimmt die Vertonung! Dies lässt darauf schließen, dass die Schauspieler die jeweiligen Szenen kannten.

 

Synchronisationen sind ja meist so eine Sache, und nicht selten leidet die deutsche Version gerade darunter und nimmt dem Spieler viel Spaß. Man denke nur an die schlechte Übersetzung von TES IV – Oblivion.

Zum Glück haben sich die Macher auch bei der deutschen Version sehr viel Mühe gegeben, wie ich beim Durchspielen der synchronisierten Fassung merkte.

Nora Tschirner spricht Lara in der synchronisierten Fassung und auch sie versteht es, Laras Gefühle zu transportieren.

Die restlichen Sprecher sind teils völlig anders als im Original, aber nicht schlechter. Was jedoch auffällt ist, dass manche Szenen unvollständig übersetzt wurden. Wo Lara im Original etwas sagt, bleibt sie in der deutschen Fassung stumm.

Dies fällt natürlich nur auf, wenn man das Original kennt, seltsam ist es dennoch. Dabei handelt es sich nicht einmal um besonders provokante Sätze, die aus Jugendschutzgründen entfallen mussten. Das mutete doch seltsam an.

Auch haben sich die Übersetzer gewisse Freiheiten genommen, die Sinn einiger Aussagen abändern. Meist fällt es nicht ins Gewicht, hin und wieder muss man als Spieler jedoch überlegen, was man denn nun tun soll. Wenn Lara im Original davon spricht, dass sie noch drei Räder aus den Halterungen lösen muss, dann ist das etwas anderes, als wenn man sie im Deutschen „lockern“ soll – und sich dann fragt, ob es okay war, dass man sie gerade zerstört hat.

Alles in allem aber sind das Kleinigkeiten, die man durchaus akzeptieren kann. Aufgrund der fehlenden Sätze rate ich jedoch jedem, der der englischen Sprache mächtig ist, das Spiel im Original zu installieren.

Da Tomb Raider ohnehin an Steam gebunden und darüber installiert werden kann, steht einem die englische Sprache zur Verfügung.

 

DLCs und Editions:

Inzwischen sind verschiedene DLCs für Single- und Multiplayer erschienen. Da ich keinen Multiplayer spiele, gehe ich nur auf die Singleplayer-DLCs ein.

Mit „Tomb of the Lost Adventurer“ ist ein Grab erschienen, das Lara erkunden kann. Ursprünglich war es ein Goodie für Vorbesteller, inzwischen kann es für 2,49 Euro über Steam erworben werden. Es findet sich gleich in der zweiten Zone, wird jedoch sinnvoller Weise erst später im Spiel erkundet, da man für alle Boni gewisse Werkzeuge und Waffen benötigt.

Daneben kann man insgesamt sechs Outfits für Lara erstehen, zusammengefasst in zwei Packs. Damit kann man Lara umkleiden, damit die Arme nicht ständig friert :-)

 

Neben dem reinen Spiel sind auch verschiedene Editionen erschienen. Ich habe die Survival Edition, die neben dem Spiel ein Artbook, ein Poster mit der Karte der Insel, den Soundtrack als Download-Code, eine Waffe als Steam-Code und einen Outdoor-Beutel enthält.

 

Weiterhin gibt es von Amazon noch eine Collectors Edition, die zusätzlich zum Survival-Inhalt eine Figur von Lara und eine Metallkiste mit Endurance-Aufdruck enthält.

 

Fazit:

Die vier Jahre Entwicklungszeit haben sich gelohnt; Tomb Raider ist ein grandioses Spiel und ein tolles Reboot der Serie, das Lust auf mehr macht.

Selbst mit einem schwächeren Rechner kann man das Spiel spielen, wenn man auf gewisse Details verzichtet.

In meinen Augen ist Tomb Raider ein heißer Anwärter auf den Titel Spiel des Jahres!

 

Hinweis:

Die Bilder stammen aus den offiziellen Tomb Raider Fan-Packs

 

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