Umstieg von Windows XP -- Teil 3

Abgelegt unter

Die letzten Updates für Windows XP und Office 2003 sind erschienen. Ab sofort überlässt Microsoft User dieser beiden System ihrem Schicksal - sie sind nun Freiwild für all jene, die sich die Schwachstellen von XP und Office zunutze machen, um an die Daten und das Geld der User zu gelangen.

Wenn Sie das lesen, haben Sie sich wahrscheinlich entschlossen, Windows XP den Rücken zu kehren; ich gratuliere zu dieser Entscheidung.

Vielleicht haben Sie sich sogar überlegt, Linux Mint eine Chance zu geben - ich gratuliere erneut, denn es ist eine gute Wahl!

Sie haben - und dies wäre großartig - unsere Anleitung genutzt, Windows XP von der Platte gefegt und sich inzwischen mit Mint angefreundet. Ihre Daten sind zurückgespielt auf die Platte, Sie surfen im Web, empfangen eMail und fragen sich, warum Sie solche Angst vor Linux hatten.

Und doch ist eines fakt - die alte, vertraute Software findet sich nur zum Teil in Mint wieder.

Gewiss, wer unter Windows mit dem Firefox im Web surfte, tut es auc

  • Auf der Startseite von Google sehen Sie bereits rechts über dem Suchfeld die Aufforderung, Chrome zu laden. Folgen Sie den Links per Klicks, wird Ihnenm bereits die korrekte Version für Mint angezeigt (32bit .deb Für Debian/Ubuntu).
  • Wie unter Windows laden Sie datei herunter und starten die INstallation durch einen Doppelklick. Der Mint-eigene Installer öffnet sich und kurz darauf finden Sie schon Chrome im Startmenü.

Kommen wir zu Office - für viele User sicher ein wichtiger Aspekt. Wie Sie festgestellt haben, kommt Linux Mint bereits mit einer Office Suite - und zwar Libre Office, eine Abspaltung von Open Office. Verzeihen Sie mir, wenn ich an dieser Stelle nicht in die Lobgesänge manch anderer einstimme.

Ja, man kann mit Libre Office die meisten MS-Office-Formate öffnen und schreiben und ja, meist sind sie sehr kompatibel.
Aber eben nur meist.
Stets hingegen ist Librie Office ein langsames, träges Monster, das sich zwar wie das alte MS Office bedienen lässt, aber auch seine Eigenheiten hat. Und wehe, wenn die zuschlagen!

Nein, ich bin kein Fan von Libre Office. Und das, obwohl ich mich redlich bemühte. Ich installierte es, besuchte auf Linux-Tagen Vorträge von Open- und Libre Office und versuchte, den ungeschliffenen Hengst zu zähmen, der sich da unter meiner Tastatur wieder und wieder aufbäumte.
Irgendwann gab ich auf.

Allein die Rechtschreibkorrektur ist bereits ein Graus; auch Jahre nach den ersten Versionen mag sie noch immer keine zusammengesetzte Hauptwörte.

Wer nur wenig mit Office-Programmen macht, etwa das Haushaltsbuch mit einer Tabellenkalkulation führt, ein paar Briefe im Monat mit der Textverarbeitung schreibt oder eine Präsentation für die Weihnachtsfeier des Kaninchenzüchtervereins Klein Dorfbach erstellt, mag mit Libre Office auskommen. Vielleicht gehören Sie auch zu den Fans und nutzten Libre Office unter Windows. Oder sie lernen es nun kennen und lieben; wer weiß. In diesem Falle wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute und ernenne Sie Kraft meines Amtes zu User und Office-Suite.

Sollten Sie hingegen mehr von Ihrem Office verlangen und auf eine hohe Kompatibilität mit Microsoft-Formaten angewiese sein, gibt es zwei Möglichkeiten.

  1. Sie haben eine Version von Microsoft Office zu Hause und es handelt sich nicht um das veraltete Office 2003
  2. Sie kaufen ein neues Office

Sie haben Office und möchten es verwenden?
Toll, legen wir los! Aber zuerst ein Hinweis: Man kann Windows-Software nicht so einfach unter Linux installieren. Schließlich unterscheiden sich Linux und Windows grundlegend.

Es gibt jedoch eine Software für Linux, die eine Installation von Windows-Programmen ermöglicht. Diese heißt WINE und ist ziemlich schwer zu bedienen. Zum Glück für alle User, die keine Lust auf Basteleien haben, gibt es jedoch mit PlayOnLinux ein Tool, das die Bedienung zu einem Kinderspiel macht. Und diese installieren wir nun, damit Sie Office ab Version 2007 nutzen können.

Wir beginnen mit WINE: 

  1. Keine Panik!
  2. Starten Sie die Softwareverwaltung im Startmenü. Darüber können Sie Programme installieren. Das haben Sie vielleicht schon herausgefunden und genutzt!
  3. Im Suchfeld geben Sie WINE ein.
  4. Doppelklicken Sie den ersten, bunten Eintrag.
  5. Warten Sie, bis WINE installiert wurde.

Nun folgt PlayOnLinux:

  1. Keine Panik!
  2. Öffnen Sie das Terminal, indem Sie auf das Starmenü klicken und dort den Eintrag "Terminal" auswählen.
  3. In dem Terminal tippen sie ein: su - gefolgt von der Entertaste.
  4. Nun fordert Sie Mint auf, Ihr Passwort einzugeben. Tun Sie es und drücken Sie  wieder die Enter-Taste.
  5. Sie sehen, dass nun in der Zeile, in der auch der Cursor blinkt, ein rotes "wsmint" steht. Das ist gut!
  6. Markieren Sie diese Zeile mit der Maus, dann ein Rechtsklick und "Kopieren": <code>wget -q "http://deb.playonlinux.com/public.gpg" -O- | sudo apt-key add -</code>
  7. Führen sie die Maus ins Terminal und klicken Sie die mittlere Maustaste (meist das Rad). Nun wird der kopierte Text eingefügt. Drücken Sie Enter.
  8. Sie sehen, dass nun Mint das tut, was Sie ihm mit dem kopierten Text zu tun befohlen haben. Und weil Sie ein strenger User sind, war das nciht der letzte Befehl. Verfahren Sie mit den folgenden Zeilen stets identisch: Markieren, Rectsklick und kopieren, mit mittlerer Maustaste im Terminal einfügen und per Enter bestätigen!
  9. <code>wget deb.playonlinux.com/playonlinux_precise.list -O /etc/apt/sources.list.d/playonlinux.list</code>
  10. <code>apt-get update</code>
  11. <code>apt-get install playonlinux <- Nach diesem Befehl werden Sie gefragt, ob Sie das tun wollen. Tippen Sie ein J und Enter!
    </code>
  12. Warten sie, bis Mint den Befehl ausgeführt hat.
  13. Das war es schon! Wenn Sie nun im "Startmenü" - "Alle Anwendungen" - "Spiele" schauen, finden Sie dort den Eintrag PlayOnLinux.

Cool, gell?

Natürlich war das erst die halbe Miete. Denn nun müssen Sie noch Office installieren. Und das geht so:

  1. Keine Panik!
  2. Starten Sie PlayOnLinux durch einen Klick.
  3. Entscheiden Sie, ob Sie anonym Daten weitergeben wollen, oder nicht.
  4. Folgen Sie dem Assistenten, der PlayOnLinux einrichtet und dabei auch gleich die Microsoft-Schriftarten aus dem Web lädt.
  5. Ist der Assistent fertig, sehen Sie das Fenster von PlayOnLinux. Klicken Sie auf das große Plus - darunter steht "Installieren".
  6. Legen Sie die CD mit Office ins Laufwerk
  7. Wählen Sie den Link am unteren Rand des PlayOnLinux-Fensters mit dem Text "Installiere ein Programm, das nicht aufgelistet ist".
  8. Beachten Sie den Hinweis, der auftaucht. LESEN Sie ihn und klicken Sie erst dann auf "OK"
  9. Das erste Fenster der manuellen Installation erscheint. Klicken Sie hier auf "Weiter".
  10. Im zweiten Fenster des Assistenten wählen Sie den ersten Eintrag mit dem Text: "Installiere ein Programm in einem neuen virtuellen Laufwerk".
  11. Wählen Sie als Namen "Office".
  12. Im nächsten Fenster lassen Sie alles ausgehakt und klicken Sie auf "Weiter".
  13. Wählen Sie das Laufwerk mit der Office-CD und klicken Sie auf "Weiter".
  14. Nun beginnt das Laufwerk zu arbeiten und es öffnet sich der Ihnen bekannte Installationsbildschirm von Office. Haben Sie etwas Geduld, je nach Umfang des Office dauert es etwas, bis Sie mit der normalen von Windows bekannten Installation beginnen können. Gehen Sie vor, als sei dies das gute, alte XP.
  15. Haben Sie Geduld! Es kann viele Minuten dauern, bis die Programme auf der Platte sind! Gehen Sie einen Kaffee trinken, oder mit Ihrer Familie spazieren. Essen Sie ein Eis in der Eisdiele um die Ecke!
  16. Nach der Installation erhalten Sie eine Liste der Programme, die installiert wurden. Sie können zu jedem einen Shortcut erzeugen, indem sie das jeweiige Programm anklicken, "Weiter" wählen und einen Namen eingeben (oder jenen, der vorgegeben ist, belassen).
    Sind Sie fertig, wählen Sie den ersten Punkt: "Ich möchte keinen anderen Shortcut erzeugen" und dann "Weiter".
    Auf diese Weise landen die bekannten Office-Icons auf dem Mint-Desktop.
  17. Nun können Sie die Icoans anklicken und schon startet das jeweilige Programm. Evtl. müssen Sie noch eine Aktivierung durchführen, je nach Version.

Alles in allem dauert dieser Vorgang knapp eine halbe Stunde. Es ist nicht schwer, wenn Sie sich an diese Anleitung halten! Da wir von PEGU Ihr System nicht kennen, können wir natürlich keine Garantie für den Erfolg geben. Aber in allen Fällen, in denen wir es versuchten, klappte es auf Anhieb :-)

Nun kann es natürlich sein, dass Sie mit einem neuen Office arbeiten möchten. Alles Neu, macht der April und Sie sagen sich, dass Sie sich ganz von Microsoft lösen möchten. 

Für gelegentliche Briefe und das Haushalsbuch eignet sich FreeOffice von Softmaker sehr gut. Nun ja, eigentlich könnte man damit auch sehr viel mehr machen! Das Gute darin ist, dass Softmaker Office in allen varianten sehr kompatibel zu Microsoft Office ist. Sie finden FreeOffice hier.

Nach einer Registrierung können Sie das Programm für Linux herunterladen - wählen Sie wieder das Debian-Paket (.deb) für 32 Bit-Computer. Wie schon bei Chrome installieren Sie es einfach per Doppelklick.

Möchten Sie das Office geschäftlich nutzen und brauchen einen größeren Umfang, wählen Sie die Kauf-Version von Softmaker Office. Sie finden es hier

Und nun kommt ein legaler Sparfuchs-Tipp! Die Vollversion von Softmaker Office kostet 69,95 Euro. Haben Sie jedoch zuvor die kostenlose FreeOffice-Version registriert, sind Sie tatsächlich berechtigt, das günstige Update für 29,95 Euro zu erwerben! Sie sparen glatt 40 Euro! Und das ist so gewollt und bewusst so gemacht seitens Softmaker, also seien Sie nicht scheu, das Angebot zu nutzen! 

Sind Sie zufällig Schüler oder Student, ist es noch billiger, denn diese Lizenz kostet nur 14,99 Euro.

So, das zum Thema Office. Im Grunde können Sie auf die oben beschriebene Weise auch andere Windows-Software installieren, etwa Photoshop etc. Zumindest, wenn Ihnen die Linux-Software nicht genügt.

Hier noch eine kleine Liste mit Software, die Sie eventuell nützlich finden werden:

  • Calibre (Linux, gratis) zum Verwalten und Erstellen von eBooks.
  • Jutoh (Linux, kostenpflichtig) zum Erstellen von professionellen eBooks
  • Audacity (Linux, gratis) zum Erstellen von Audio-Dateien
  • Evolution (Linux, gratis) für Mail, Adressen und Termine inkl. Exchange-Anbindung.
  • Steam (Linux, gratis) für Spiele. Da Steam auf Linux setzt, erscheinen stets neue Spiele für Linux, etliche sind bereits umgesetzt. Installieren Sie hierfür jedoch den Grafikkarten-Treiber unter "Menü" - "Kontrollzentrum" - Additional Drivers". Hiermit wird der native Treiber von NVIDIA oder AMD-Grafikkarten installiert.
  • Banshee (Linux, gratis) zur Verwaltung Ihrer Musik
  • VLC (Linux, gratis) - den kennen Sie von Windows!

Wir von PEGU wünschen Ihnen viel Spaß mit diesem neuen, stabilen, bis 2017 unterstützten System! Sie werden schon bald merken, dass Sie Windows nicht mehr vermissen!

Nachtrag vom 10.04.2014: Mir fiel auf, dass FreeOffice kein .docx speichern kann. Es liest die Dokumente zwar, speichert sie jedoch lediglich im alten .doc. Wer also .docx schreiben MUSS, sollte zum kostenpflichtigen Softmaker Office greifen; hiervon steht eine Testversion unter diesem Link bereit!

3 Kommentare

Ivana
Kommentar 1
14.04.14 / 10:57 Uhr
Bezüglich der Kompatibilität zu Microsoft Office habe ich exakt dieselben Erfahrungen gemacht wie Sie: Nämlich miserable mit LibreOffice (gerade bei aktuellen XML-Formaten und großen Dateien), und hervorragende mit SoftMaker Office!

SoftMaker Office läuft zudem stabil und solide vom ersten Tag an, während ich mit LibreOffice immer wieder mit mysteriösen Abstürzen und Bugs zu kämpfen hatte. Schneller ist es obendrein, und die Bedienung wesentlich komfortabler. Die paar investierten Euro waren im Vergleich zu LibreOffice bisher Gold wert. Und cden nUmweg über Wine und Microsoft Office kann man sich damit sparen.
Klaus Mayer
Kommentar 2
10.04.14 / 18:23 Uhr
Für 10 € mehr gibt es die Prof.-Version mit Duden-Korrektor als Upgrade. Und bei Ashampoo gibt es die Standard-Version für 10 € auch als Upgrade, z.B. von der Ashampoo Office 2010er, die für lau auf chip.de gelistet ist. In Sachen Kompatibilität schwöre ich auf das Original: MSO 2010 und 2013. Einfach mal die MS-Vorlagen anderswo öffnen - Autsch! Also bleibe ich beim Original und empfehle SoftMaker für die Sprachwerkzeuge (bei dem Preis!) und LO zum Experimentieren - und das meine ich durchaus positiv! Emoticon
Kommentar:

Leider gibt es für Linux - und das ist ja hier das Thema - keine Version von Softmaker Office mit Duden etc. Die Pro-Version gibt es ausschließlich für Windows.
Sicherlich kann man diese erwerben und dann auf die von uns geschilderte Art per WINE und PlayOnLinux einspielen.
Das Original von Microsoft erfordert auf jeden Fall den Umweg über WINE, will man ein natives Office bleibt die von mir genannte Variante für 29,99 Euro Emoticon

Klaus Mayer
Kommentar 3
10.04.14 / 15:26 Uhr
Wieso ist Libre Office ein langsames, träges Monster? Unter Extras/Optionen/Arbeitsspeicher kann man LO schneller machen. Dann unter Extras/Optionen/Erweitert den Haken bei JAVA rausnehmen (wenn man darauf verzichten kann).
Ergänzend gibt es noch den Ashampoo Core Tuner. Einfach mal ausprobieren...Emoticon
Kommentar:

Danke für den Tipp.
Aber selbst dann ist Libre Office noch immer deutlich langsamer als kompakte FreeOffice von Softmaker oder gar dem deutlich kompatibleren Softmaker Office.
Auch in Sachen Kompatibilität halte ich das mit 29,99 Euro sehr günstige Softmaker Office für deutlich überlegen.
Ich habe das zum Beispiel gemerkt, als ich mit Jutoh eBooks erstellte. Die im .docx vorliegenden Dokumente von Libre Office zeigten deutlich schlechtere Ergebnisse in der End-Formatierung als jene .docx-Dokumente, die mit Softmaker Office erstellt worden waren.
Dank FreeOffice sehr ich nur dann die NOtwendigkeit, Libre Office zu nehmen, wenn man .docx schreiben MUSS und kein Geld ausgeben will oder kann; nicht einmal 29,99 Euro für ein Office, das man auf mehreren Rechnern einsetzen darf. In diesem engen Rahmen muss man wohl Libre Office nehmen. Reicht das gute, alte .doc, ist FreeOffice unter Linux die deutlich bessere Wahl, wie ich finde.
Wir werden dazu bald einen Test bringen!
Ich gebe jedoch zu, dass die Meinung zu Libre- und Open Office innerhalb des Teams durchaus gespalten ist - manche halten Libre Office für eine großartige Software, andere nicht. Ich gehöre zu jenen, die sich zu viele Stunden mit den seltsamen Eigenheiten herumgeschlagen haben, um der Suite etwas Gutes abzugewinnen - abgesehen von dem Gedanken dahinter, ohne den es wohl kein FreeOffice gäbe Emoticon

Einen Kommentar hinterlassen
Bitte beachten:
Aus rechtlichen Gründen werden Kommentare erst nach Prüfung freigeschaltet.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.