Netflix in Deutschland - ein erster Eindruck

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In den letzten Tagen fieberten nicht wenige Film- und Serienfans dem Start von Netflix in Deutschland entgegen. Gerüchte um den Start-Termin machten ebenso die Runde wie mögliche Preismodelle. Vermutlich verknüpfte zudem jeder User Hoffnungen und Wünsche mit diesem Start, was genau er in den verschiedenen Rubriken vorfinden würde.

Um 0:27 Uhr konnten wir uns auf der Webseite von Netflix Deutschland ein Konto anlegen, ein Abo-Modell wählen und die Zahlweise festlegen. Anschließend funktionierte der Login in der jeweiligen App und wir waren in der Lage, uns einen Überblick über das Startangebot zu verschaffen.

Hier nun also – frisch und heiß, sozusagen – ein paar Infos und Eindrücke.

Das Angebot:
Netflix gliedert sein Angebot in drei Stufen:

  1. Die Möglichkeit, Filme und Serien auf einem Gerät gleichzeitig und dies in SD-Qualität abzuspielen schlägt mit 7.99 Euro zu Buche.
  2. Möchte man zwei Geräte gleichzeitig nutzen und zudem HD-Qualität genießen, kostet dies 8,99 Euro.
  3. Das dritte Angebot lässt das gleichzeitige Streamen auf vier Geräte zu und bietet zudem U-HD, kostet dafür aber auch 11,99 Euro.

Unterschiede bei der Programm-Vielfalt gibt es bei den drei Angeboten keine, bis zu sechs Geräte können auf ein Konto angemeldet werden.

Hat man einen Benutzernamen und ein Kennwort festgelegt sowie sich für eines der drei Abo-Modelle entschieden, geht es ans Bezahlen. Auch wenn der erste Monat gratis ist, muss man hier bereits eine Zeitweise für künftige Abbuchungen festlegen.

Schön ist hierbei, dass eine Kreditkarte zwar akzeptiert wird – und zwar sowohl VISA als auch Master und Amex – sie aber nicht zur Pflicht gemacht wurde. Wer weder eine Kreditkarte noch Pay Pal nutzen möchte, kann die Monatspreise auch traditionell von seinem Konto abbuchen lassen.

Als letzter Schritt steht die Wahl eines Jugendschutz-Pins an; hier kann man eine beliebige vierstellige Zahl nehmen, um die Apps für Kinder abzusichern.

Das Technische:
Nachdem man sein Konto auf obige Weise angelegt hat, kann man wahlweise sofort im Webbrowser auf das Angebot zugreifen, oder hierfür eine App auf diversen Geräten nutzen. Hier nun zeigt sich ein erster Minus-Punkt – auch Netflix setzt auf das unsägliche Microsoft Silverlight als Kopierschutz. Damit sind Linux-User erneut ausgeschlossen, denn für diese gibt es eben kein Silverlight. Was genau die Filmindustrie mit diesen Unsinn bezweckt, ist fraglich – jeder Film und jede Serie auf Netflix oder einem anderen Streaming-Angebot ist längst im Web zu finden; lange, bevor es als Video-on-Demand zur Verfügung steht. Mit diesen Gängelungen der User jedenfalls wird die Filmindustrie die Film-Piraterie sicherlich nicht eindämmen; ganz im Gegenteil.

Aber dies ist ein anderes Thema – kommen wir zurück zu Netflix. Positiv ist, dass weitaus mehr Geräte unterstützt werden, als etwa von Watchever und Amazon Prime. Neben Android und iOS steht auch Apple TV, Xbox 360 und PS3 zur Verfügung, auf Smart-TVs, manchen BR-Playern und – dies freut mich besonders – Windows RT sowie Windows Phone 8. Damit dürfte Netflix neben Maxdome jenes VoD-Angebot sein, welches die größte Hardware-Unterstützung bietet.

Ebenfalls eine hübsche Innovation bei Netflix ist, dass man einzelne Profile anlegen kann. Startet man die App, wird man gefragt, wer sie gerade nutzt. Auf diese Weise kann jeder User seine eigene Watchlist anlegen und verwalten. Wer bisher mit mehreren Leuten eine Watchlist bei Watchever oder Amazon Prime nutzt, wird diesen Komfort zu schätzen wissen.

Automatisch angelegt wird ein Profil mit dem Namen „Kids“ – es ist für Kinder unter 12 Jahre gedacht. Aktiviert man es, kann man einem Kind das Pad in die Hand drücken und sicher sein, dass es nur Filme und Serien schauen kann, die in dieser Altersstufe eingeordnet sind. Der oben beschriebene PIN sorgt dafür, dass das Kind nicht zum Profil eines Erwachsenen wechseln kann.

Suchen kann man Serien und Filme wahlweise über ein Drop-Down-Feld, eine Suchfunktion oder übger die Startseite, die Titel vorschlägt. Noch ist dies ein wenig unübersichtlich. Zudem wird die Watchlist mal am unteren Ende der Startseite angezeigt, mal ganz oben. 

Seltsam ist, dass man aus der iPad-App heraus kein neues Profil anlegen kann; man muss den Browser nutzen. Hat man dort eines angelegt, steht es sofort in der App zur Verfügung. User von Windows RT haben es einfacher, denn dort kann man in der App Profile verwalten. Ins Konto kommt man hingegen aus keiner App; warum auch immer.

Die Auswahl:
Kommen wir nun zum Angebot. Und hier zeigt sich, dass auch Netflix nur mit Wasser kocht, denn die zum Start bereitstehenden Filme sind bei weitem nicht so üppig, wie es sich vielleicht mancher erhofft hat. Neben neueren Titel wie der Verfilmung von 21 Jump Street finden sich auch ältere Titel darunter. Qualitativ reicht die Bandbreite von erstklassig bis grausig (Monster Shark etc.).

Bei den Serien zeigt sich ein ähnlich mageres Bild. Wirklich hervorstechen tut vielleicht American Horror Story, sonst aber fiel mir nichts ins Auge.  

Die Filme und Serien liegen zweisprachig vor, auch Untertitel können eingeblendet werden. Schade ist, dass keine Download-Funktion vorhanden ist, wie man sie von Watchever kennt. Gerade bei schwachen Internetverbindungen oder auch schlechten WiFi-Signal ist dieser Offline-Modus ein Segen, kann man doch Filme einfach herunterladen und später schauen, ohne dass ständig gebuffert werden muss.

Fazit: Die Apps von Netflix bieten Licht und Schatten, manches ist innovativ, andere, gute Ideen der Konkurrenz wurden nicht beachtet. Nutzt man bereits Watchever und/ oder Amazon Prime, bietet einem Netflix zum Start keinen Anreiz zum Wechseln. Immerhin gönnt einem der Anbieter einen Gratis-Monat, und in dieser Zeit kann sich viel tun; wer weiß, welche Filme und Serien nur darauf warten, freigeschaltet zu werden. Ob Netflix dem Hype gerecht wird, muss sich also erst noch zeigen, der erste Eindruck ist ernüchternd.

  

 

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